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Im Zuge der Ausstellung Klima_X kooperiert das Museum für Kommunikation mit dem Umweltamt der Stadt Frankfurt am Main, um nachhaltiger zu werden. Im Interview gibt uns Hans-Georg Dannert vom Umweltamt Einblicke in die Arbeit des Sachgebiets Stadtklima, Klimawandel und über seine persönliche Motivation, sich für Klimaschutz und -anpassung für ein lebenswertes Frankfurt einzusetzen.

Guten Morgen Herr Dannert. Schön, dass sie sich die Zeit genommen haben. Zum Start: Können Sie sich und das Umweltamt einmal vorstellen?

Gerne! Mein Name ist Hans-Georg Dannert und ich leite im Frankfurter Umweltamt das Sachgebiet Stadtklima, Klimawandel und stadtweit die Koordinierungsgruppe Klimawandel, in der alle relevanten Ämter und Institutionen zusammenkommen. Die Gruppe erarbeitet zentrale Dokumente –  wie die Anpassungsstrategie an den Klimawandel –  macht Politikberatung und streut das Wissen in der Stadtverwaltung.  

Welchem Klimatier fühlen Sie sich am nächsten?

Die fleißige Biene passt sehr gut zu unserer Arbeit im Klimateam: Wir sind klar und fokussiert in der Einschätzung des Klimawandels. Wir müssen handeln und tun es auch. Die Aufgaben sind vielfältig strukturiert, es gibt viele kleine Herausforderungen ohne Patentrezept und sie erfordern viel Fleiß. Deshalb passt das mit den Bienen und Waben sehr gut: Wir gehen diese Herausforderungen mit verschiedenen Projekten und Ansätzen an. Zum Bienenvolk passt auch, dass es einem großen Ganzen dient, das nicht sofort, aber gemeinsam und absehbar realisiert werden kann.

Hans-Georg Dannert leitet im Frankfurter Umweltamt das Sachgebiet Stadtklima und Klimawandel. Der Stadtplaner und Dipl. Geograph ist spezialisiert auf Stadtklimatologie, weiß eine Menge über Wind und Wärmeinseln und summt beim Umweltamt Stadt Frankfurt seit 1991 fleißig durch die Waben. Er ist zudem Vorsitzender des Umweltforum Rhein Main e.V., welches sich mit Themen des ökologisch nachhaltigen Wirtschaftens befasst. © Foto von Stephanie Kessler, Umweltamt Frankfurt am Main; Bienen ©Susanne Salmen & Andrea Kowalski, Studio it’s about

Was ist eigentlich Stadtklima?

Stadtklima ist das an einem bestimmten Ort von Menschenhand vor allem durch Bebauung, einschließlich der Emission von Wärme, modifizierte Klima. Das Stadtklima unterscheidet sich vom Umlandklima dadurch, dass wir höhere durchschnittliche Temperaturen haben. Das liegt vor allem an der eingeschränkten Durchlüftung und der hohen Wärmespeicherung von Baumaterialien der Häuser, Straßen und Plätze. Der Temperaturunterschied der Luft kann zwischen Stadt und Umland in Sommernächten bis zu zehn Grad Celsius betragen. Außerdem ist die Luftfeuchtigkeit tendenziell geringer und die Luft kann anders zusammengesetzt sein. Auch nimmt in der Regel die Windgeschwindigkeit Richtung Stadtzentrum ab – eine Ausnahme davon ist zum Beispiel unser Bankenviertel. Da wird der Wind durch die Hochhäuser zum Teil enorm beschleunigt und turbulent.

Auf Klimatour mit Hans-Georg Dannert. Die Karte ist die Klimafunktionskarte der Stadt Frankfurt am Main und zeigt, welche Räume in Frankfurt besonders von Hitze betroffen sind. Bild © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Stefan Cop 

Hier in Frankfurt haben wir ein paar Hitzerekorde geknackt: Im Jahresdurchschnitt der Lufttemperatur sind wir seit 2018 die heißeste Stadt der Republik und seit 2019 die heißeste Stadt in Hessen in Bezug auf die Maximaltemperatur.

Was motiviert sie, etwas zu tun, wenn Sie an den Klimawandel denken?

Zunächst die Tatsache, dass ich ein Ziel verfolge, das für mich persönlich komplett positiv besetzt ist. Die meisten Menschen machen sich Gedanken über die Klimakrise, aus eigener Betroffenheit, aber auch mit Blick auf die gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Sich hier zu engagieren, bereitet mir große Freude, weil ich etwas bewegen kann und muss, weil es nachgefragt und absolut erwünscht ist. Man kann im Grunde nichts Besseres tun, es ist unsere zentrale Aufgabe der Daseinsvorsorge. Wir eröffnen Perspektiven und ergreifen Chancen. Es erlaubt uns viel Kreativität, weil wir tagtäglich mit neuen Projekten konfrontiert sind, mit vielen Menschen im Austausch stehen und ich mit meinem großartigen Team viel Neues ausprobieren darf.

Können Sie uns einige Ihrer Projekte vorstellen?

Es gibt auf der einen Seite Projekte, die erscheinen erst mal sehr klar und einfach: zum Beispiel die Trinkbrunnen in der Stadt. Historische Brunnen waren in den vergangenen Jahrzehnten nur noch Zierde. Heute dienen sie zur Abkühlung der Luft, wenn es Fontänen sind oder der Menschen, wenn das Wasser sauber ist. Sie dienen auch wieder als Trinkbrunnen, wenn sie regelmäßig gereinigt werden und die Wasserqualität geprüft wird. Wir haben viele Brunnen geprüft und konnten so die ersten sieben historischen Brunnen als Trinkbrunnen ausweisen. Bei neuen Brunnen haben wir festgestellt, dass die Umsetzung komplex ist. Viele Akteure sind beteiligt, wie Architekt:innen, Stadtplaner:innen, unsere Wasserversorgerin, der Denkmalschutz, das Grünflächenamt, der Verkehrsbereich und das Gesundheitsamt. Auch Barrierefreiheit ist ein wichtiges Thema und es kommen Wünsche aus den Stadtteilen selbst. Es erscheint manches Mal so kompliziert, wie der Bau eines komplexen Gebäudes. Zur Errichtung neuer Brunnen haben wir daher einen eigenen Arbeitskreis und Verfahrensablauf festgelegt.

Das Umweltamt hat historische Brunnen geprüft und als Trinkbrunnen ausgewiesen wie hier der Paradiesbrunnen in Sachsenhausen. Bild © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Eva-Maria Hillmann. 

Auf der anderen Seite haben wir langfristig richtig dicke Bretter zu bohren. Es muss strukturell zu Veränderungen kommen. Dazu gehört die Frage: Wie werden wir in Zukunft bauen? Das Fördern von Grünflächen und das Zusammendenken von Klimaschutz und Klimaanpassung gehört hierzu. Wir müssen unsere Parks und Bäume bei sich veränderndem Klima bewahren. Zudem müssen wir das Wasser in der Stadt halten und nutzen. Dazu sind beispielweise auf und unter öffentlichem und privatem Grund Speichermöglichkeiten zu schaffen. Auch der Überflutungsschutz muss bedacht werden. Die Ahrtal-Katastrophe hat uns alle betroffen gemacht. Verhindern können wir Starkregen und Überflutungen nicht. Wir müssen die Stadt aber an empfindlichen Punkten darauf vorbereiten.

Ganz konkret listen wir zurzeit Klimaanpassungsmaßnahmen in einem Klimawandelaktionsplan auf, um die Stadt zu ertüchtigen, im Fall der Fälle abrufbare und optimierbare Abläufe zu haben.

 

Auch die Wiese des Museums gehört zur Veränderung der Stadt hin zu mehr Grün und wurde durch das Umweltamt der Stadt Frankfurt gefördert. Foto © Timo Gertler

 

Gibt es Nachrichten zum Klimawandel, die sie gerne mal hören würden?

Da fällt mir eine Menge ein. Konkretes, wie ein Durchbruch in der Mobilität oder in der Batterieforschung. Oder dass Länder des globalen Südens ihre Versorgungsprobleme durch erneuerbare Energien lösen können, mit denen sie sich selbst versorgen, aber die sie auch exportieren.

Aber es gibt am Ende nicht die Geschichte. Hier tauchen die Waben der Bienen wieder auf: Viele Geschichte führen zu dem, was ich gerne irgendwann mal hören würde: dass wir bei der Klimaanpassung und beim Klimaschutz in allen Bereichen so kreativ und erfolgreich waren, dass wir das 1,5°-Ziel erreicht und die Klimaauswirken weltweit in den Griff bekommen haben.

Was ist ihre Vision für Frankfurt im Jahr 2030?

Meine Vision ist, dass wir in der Energieversorgung zum Großteil autark und insgesamt klimaneutral sind. Das ist super ambitioniert, aber auch das politische Ziel. Man sollte sich das ganze Jahr über gerne in der Stadt aufhalten können. Frankfurt rangiert zurzeit als 7. attraktivste Stadt der Welt und das kann ich auch vor Ort sehen. Die Stadt hat sich schon unglaublich verändert und wird das bis 2030 weiter tun: Sie ist dann noch grüner, die Plätze sind umgestaltet, viele Verkehrsflächen wurden zurückgewonnen. Stadtteilinitiativen haben sich etabliert, die das Stadtbild mit verändern und sich über Begrünungen und klimafreundliche Mobilität austauschen. Die Stadt ist chic und intelligent, sozial ausgewogene Anpassungen haben stattgefunden. Die Frankfurter:innen sind engagiert, aber auch glücklich und zufrieden in Ihrer Stadt.

BU: Frankfurt ist grün und lebenswert – und wird sich auch weiter in diese Richtung verändern.
Bild © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Stefan Cop

Vielen Dank für das Interview!

Interview geführt von: Swenja Hoschek ist wissenschaftliche Volontärin am Museum für Kommunikation Frankfurt. Sie isst gerne vegan, aber Crêpes durchkreuzen diesen Plan zuweilen.