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Heute, am 22. September, ist internationaler autofreier Tag. Es ist einer der Aktionstage, an denen die Verkehrswende aktiv eingefordert wird. Weg vom Auto hin zu mehr ÖPNV und Platz auf Straßen und Gehwegen für Menschen, ob zu Fuß oder per Rad. Es geht nicht nur um eine neue Mobilität, sondern auch um eine veränderte Nutzung von öffentlichen Räumen.

Abseits vom Auto als Norm

Autofreie Tage und Aktionen zeigen: Es geht auch anders. In Berlin beispielweise können heute Bus und Bahn kostenlos genutzt werden. Straßen werden für Autos gesperrt und als Spielstraßen und Aufenthaltsräume genutzt. Im Alltag scheint das Auto in vielen Städten absolute Priorität zu genießen. Noch in der 50er Jahren war die Idee einer autogerechten Stadt das geltende Ideal, das sich baulich langanhaltend verankert hat. Doch in der Gegenwart nimmt der Protest gegen eine aufs Auto ausgerichtete Stadtplanung und Verkehrspolitik mehr und mehr zu.

Protest für sichere, gute Radwege

In vielen Städten bilden sich Aktionsformen oder Bürgerinitiativen, die aktiv eine Verkehrswende fordern. Critical Mass beispielweise ist eine Aktionsform, bei der vor allem Fahrradfahrer*innen durch ihre schiere Masse auf die Bedeutung des Fahrrads als Transportmittel hinweisen. Durch ihr geballtes fahren machen sie Straßen für die kurze Zeit ihres Fahrens autofrei und zu Fahrradstraßen. Die Aktionen gibt es in vielen Städten, auch Frankfurt.  Ein Ableger davon ist die Aktionsform Kidical Mass, bei der vor allem Kinder und Jugendliche mitfahren. Diese Protestform zielt darauf, auf den Radverkehr aufmerksam zu machen und sichere Wege für Radfahrende zu fordern.

KIDICAL MASS, Platz da für die nächste Generation! Foto: Stefan Flach.

Autoflächen zu Räumen für Menschen machen

Dass ein (langsames) Umdenken in der Stadtplanung stattfindet, zeigt in vielen Städten die Beibehaltung der Pop-up-Radwege und die deutliche Kennzeichnung von Radwegen in rot oder grün auf den Straßen. Hinzu kommt eine testweise Sperrung von Straßen, wie beispielweise des Mainkais in Frankfurt. Im Jahr 2019 wurde ein Straßenabschnitt bereits für mehrere Monate gesperrt und auch dieses Jahr wurde der Bereich für knapp zwei Monate gesperrt. Der freigewordene Raum wurde für bunte Aktivitäten genutzt: Vom Sportprogramm, zu Bastel- und Gartenaktionen, Tanzabenden und einfach Platz zum Laufen, Klönen und Flanieren bot der Sommer am Main viele Angebote.

Zunehmend werden Fahrradstreifen auf Straßen farblich ausgewiesen. Viele Straßen dienen trotzdem noch vor allem dem Auto – ob fahrend oder stehend.

Es geht bei diesen Sperrungen allerdings nicht um eine Verlagerung des Verkehrs auf andere Straßen, sondern darum zu zeigen, dass eine Veränderung von Verhalten und Gewohnheiten möglich ist. Der Verkehr verschiebt sich nicht nur, er wird weniger. Öffis werden ausgebaut, Straßen werden von Blechlawinen zurückerobert. Das geschieht optimalerweise in einer Form, in der es kein Verlust darstellt, sondern als Bereicherung wahrgenommen wird, in der neuer Raum entsteht, der vielfältig genutzt werden kann: Zum Ausruhen, zum Kaffeetrinken, zum Verweilen, zum Gespräch, zum Sport, Spielen, Gärtnern, Atmen – zum Leben.

Parkplätze zu Parks

So ist es nicht nur der fließende Verkehr, für den Veränderungen gefordert werden. Autos werden statistisch nur 45 Minuten am Tag gefahren. Den Rest der Zeit stehen sie – und das häufig auf öffentlichen Straßen, auf Bürgersteigen, Radwegen. Auch hier gibt es eine verbreitete und kreative Aktionsform: Insbesondere am PARK(ing)-Day nutzen Menschen Parklücken um. Statt dort Autos abzustellen, gestalten sie kleine Parks, Sitzmöglichkeiten oder bauen gar Tischtennisplatten auf. Viele weitere Anregungen findet Ihr ab dem 13.Oktober in der MachBar von KLIMA_X.

Autorin: Swenja Hoschek ist wissenschaftliche Volontärin am Museum für Kommunikation Frankfurt. Sie isst gerne vegan, aber Crêpes durchkreuzen diesen Plan zuweilen.